OMG — Oh My God
Ein Traditionsverein ist der VfL Wolfsburg nicht. Eher das Gegenteil. Und das merkt man:
Wolfsburg hat die wenigsten Fans der Bundesliga! Mit 21.500 Fans (Statista, Stand September 2019) ist Wolfsburg bei der reinen Mitgliederanzahl der Vereine der 1. Fußball-Bundesliga auf Rang 12. Nur Freiburg, Augsburg Hoffenheim, Paderborn und Leipzig liegen dahinter. Doch es kommt noch härter für die Wölfe: Laut einer BILD-Umfrage aus dem Januar 2019 hat kein Bundesliga-Klub in Deutschland so wenig Anhänger wie der VfL. Nur 0,4 % der Befragten nennen den Verein des damaligen Trainers Bruno Labbadia als ihren Favoriten. Knapp davor stehen Hoffenheim mit 0,5% und Leverkusen mit 0,8%. Autsch!
Zinnlos sinnlos! Für viele Wolfsburg-Fans gibt es nur ein wahres Logo und zwar das mit dem gezinnten W. Das Problem ist, dass dieses Logo mit der Ausgliederung der Fußballabteilung 2001 abgeschafft und durch das deutlich rundere und marketingtauglichere, neue Logo ersetzt wird. Empörung und Widerstand folgen auf Fanseite, bis hin zum Nähen des alten Logos auf neue Trikots vor Heimspielen. Bei einer Umfrage des VfL stimmen 89% für die Wiedereinführung des alten Logos, doch die Vereinsführung stellt sich taub.
De Bruyne schwört unfreiwillig ewige Treue! Im August 2015 fällt der heiß umworbene Belgier Kevin De Bruyne einem Scherz zum Opfer. Im Rahmen einer Veranstaltung lässt Moderator Alexander Bommes von der ARD den Belgier einen (nicht ganz ernst gemeinten) deutschen Satz nachsprechen. Die fatalen Worte lauten: „Ich, Kevin De Bruyne, werde auf jeden Fall diese Saison beim VfL Wolfsburg spielen.“ Sie lösen einen Sturm der Entrüstung beim Management des Belgiers und den VfL-Bossen aus. Das Ende vom Lied: De Bruyne wechselt für die Bundesliga-Rekordsumme von 75 Millionen Euro zu Manchester City. Die Lehren daraus: Bei Provisionen und Bimbes versteht der Fußball keinen Spaß. Und man kann seine „Legionäre“ gar nicht früh genug in den Deutsch-Unterricht schicken. Vor allem, wenn „böswillige“ ARD-Moderatoren ihren „Schabernack“ mit den Profis treiben wollen.
Regelkunde fünf! Die Karriere des langjährigen VfL-Managers Peter Pander, in dessen Amtszeit der Bundesligaaufstieg und das erste Pokalfinale fallen, endet nach einem peinlichen Versehen. Der VfL setzt 2004 im DFB-Pokal in der 1. Hauptrunde bei der Reserve des 1. FC Köln den bulgarischen Zugang Marian Hristov ein. Das hätte er freilich nicht tun dürfen, denn der ist nach seinem Platzverweis im Pokalfinale 2003 mit 1. FC Kaiserslautern noch für zwei Spiele gesperrt, worauf der DFB den VfL in einem Formschreiben hingewiesen haben will. Trainer Erik Gerets will es nie gesehen haben und schiebt die Schuld auf Pander, der mannhaft sagt: „Ich nehme alle Schuld auf mich.“ Da sein Faux-Pas zu einer Niederlage am „Grünen Tisch“ führt, kostet der ihn seinen Job.

Fans vs. Vereinsführung! Nach nur zwei Wochen im Job wird Bruno Labbadia im März 2018 mit „Wir steigen ab, wir kommen nie wieder, wir haben Bruno Labbadia“ von der Nordkurve begrüßt. Der Schmähsong für den neuen VfL-Trainer wird beim Match gegen Bayer Leverkusen von zahlreichen Fans vorgetragen und sorgt landesweit für Diskussionen. Die Wölfe stehen am Ende in keinem guten Licht da und präsentieren ein weiteres Mal die Diskrepanzen zwischen Fans und Vereinsführung. Später söhnen sich Trainer und Fans aus, der VfL steigt nicht ab. Stattdessen führt Labbadia ihn 2019 sogar in die Europa League.
Grammatikalische Schwierigkeiten! 2016, bei der Bundesliga-Partie gegen Borussia Mönchengladbach (2:1) blamieren sich die Wölfe mit einem Schmähplakat gegen den Niedersachsen-Rivalen Eintracht Braunschweig. „BLAU GELBE SCHWEINE SEHT ES EIN. WIR WERDEN AUF EWIG HINTER UNS BLEIBEN“, leuchtet in grünen Lettern aus der Nordkurve des Wolfsburger Stadions und lässt am Deutschunterricht in niedersächsischen Schulen zweifeln. Braunschweig kontert beim nächsten Heimspiel gegen den MSV Duisburg mit einem „VEREIN FÜR LEGASTHENIKER, IHR BLEIBT EWIG HINTER EUCH!!!“-Banner, zu dem Wolfsburgs Fans selbst die Steilvorlage gegeben haben.
Stimmungsflaute! Wolfsburg-Fans gelten gemeinhin als sanft und nicht besonders fanatisch. Nicht nur der „Wölficlub“ auf der Südtribüne ist bekannt für seine familienfreundliche und kindgerechte Atmosphäre. Man schaut etwas Fußball und geht wieder nach Hause – nett und unaufgeregt. Die Stimmung in der Volkswagen Arena kommt für gewöhnlich aus dem Gästeblock. Ausnahmen: Beim Niedersachenderby 2016 mit Hannover 96 schießen Wolfsburg-Chaoten Pyrotechnik auf die 96-Bank. Bei einer ähnlichen Aktion gegen Mainz 05 findet der Mainzer Stadionsprecher Andreas Bockius im September 2019 die richtigen Worte: „Ihr habt doch schon genug mit Diesel-Problemen zu kämpfen, da müsst ihr doch nicht auch noch Feinstaub in unsere Stadt bringen. Das nächste Mal müsst ihr mit dem Fahrrad kommen.“
Glamour in Wolfsburg! Dafür soll der „Lord“ sorgen. „Lord“ Nicklas Bendtner. Doch das geht schief. Im April 2016 löst der VfL Wolfsburg den Vertrag mit dem Stürmer vorzeitig. Eine weitere Zusammenarbeit sei sinnlos gewesen, so VfL-Manager Klaus Allofs. „Nicklas und wir hatten uns von seinem Engagement beim VfL Wolfsburg viel versprochen", wird Allofs zitiert: „Nach knapp zwei Jahren mussten wir leider feststellen, dass sich diese Erwartungen weder für ihn selbst, noch für uns erfüllt haben und eine weitere Fortsetzung für niemanden mehr Sinn gemacht hätte." Der dänische Nationalspieler ist 2014 ablösefrei vom englischen Top-Klub FC Arsenal nach Wolfsburg gewechselt und absolviert 47 Spiele (9 Tore) für den Klub. Bei den „Wölfen“ sorgt der „Lord" regelmäßig abseits des Spielfelds für Schlagzeilen. Für ein Foto mit einem Mercedes (anstelle des VfL-Sponsors VW) zahlt er eine Geldstrafe, zu einem Training Mitte März 2016 kommt er mehr als 45 Minuten zu spät und in Trainingslagern wird er wegen mangelnder Fitness zu diversen Extra-Einheiten vergattert. Allofs bezeichnet den Dänen als „Gefahr für unsere Gemeinschaft". Etwas übertrieben wohl, aber…
Das Trainer-Karussell in Wolfsburg drehte sich zwischen 2021 und 2025 mit einer Geschwindigkeit, die selbst für Bundesliga-Verhältnisse bemerkenswert war: Glasner, van Bommel, Kohfeldt, Kovac, Hasenhüttl – fünf Trainer in vier Jahren. Jeder brachte ein neues System, keiner blieb lang genug, um etwas aufzubauen.
Für das vielleicht größte OMG-Moment sorgten allerdings die VfL-Frauen: 2023 gewannen sie die Champions League. Und dann war da noch Max Kruse, der 2022 für ein halbes Jahr zurückkehrte – mehr Nostalgie als Nutzen, aber immerhin eine schöne Geschichte.
